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Jared Kushner
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Jared Corey Kushner (* 10. Januar 1981 in Livingston, New Jersey) ist ein US-amerikanischer Immobilienentwickler, Medienunternehmer, Finanzinvestor und Politikberater. Er ist der Schwiegersohn von Donald Trump, dem 45. und 47. PrĂ€sidenten der Vereinigten Staaten. WĂ€hrend des PrĂ€sidentschaftswahlkampfs 2015/16 gehörte er zu Trumps wichtigsten Beratern und leitete die digitale Kommunikation.cite-ref-1[1] Seit Trumps Amtsantritt war Kushner Chefberater („Senior Advisor“) des ehemaligen PrĂ€sidenten und hatte eine Reihe von Sonderfunktionen inne, darunter Innovation. Im Jahr 2017 geriet Jared Kushner im Rahmen der Ermittlungen zu möglichen geheimen Absprachen zwischen dem Wahlkampfteam von Donald Trump und russischen Stellen ins Visier des FBI. Es gab jedoch keine Anklage gegen Kushner, und die Ermittlungen wurden spĂ€ter ohne strafrechtliche Konsequenzen fĂŒr ihn abgeschlossen.

Kushner gilt als einer der maßgeblichen Initiatoren der Abraham Accords Declaration, dem unter der Schirmherrschaft von Trump wĂ€hrend dessen Amtszeit unterzeichneten Normalisierungsabkommen der Beziehungen zwischen Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain sowie spĂ€ter Sudan und Marokko.

Contents

‱ Familie
‱ Ausbildung
‱ Werke
‱ Weblinks

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Familie

Kushner wurde 1981 in Livingston, New Jersey, als Ă€ltester Sohn des Immobilienmagnaten Charles Kushner (* 1954) und dessen Ehefrau Seryl Kushner (geb. Stadtmauer) in eine modern-orthodox-jĂŒdische Familie geboren.cite-ref-2[2] Sein jĂŒngerer Bruder Joshua Kushner (* 1985) ist Investmentfondsmanager und GrĂŒnder der Private-Equity-Risikokapitalgesellschaft Thrive Capital;cite-ref-3[3] er ist seit 2018 mit dem Model Karlie Kloss verheiratet.cite-ref-4[4] Seine Schwester Nicole ist mit Joseph Meyer verheiratet. Meyer ist Vorstandsvorsitzender von Jared Kushners Medienunternehmen Observer Media Group und Herausgeber von Kushners Online-Publikation observer.com.cite-ref-5[5] Kushners aus Belarus stammende Großeltern Joseph und Reichel Kushner ĂŒberlebten als Bielski-Partisanen den Holocaust und emigrierten 1949 ĂŒber Italien nach New York.cite-ref-6[6]cite-ref-nymag-com-7-0[7]cite-ref-zeit-de-8-0[8]cite-ref-9[9] In New York legte Joseph Kushner den Grundstein fĂŒr die Immobiliendynastie Kushner, zu der noch Jareds Onkel Murray Kushner und dessen Sohn Marc Kushner gehören.

2009 heiratete Kushner Ivanka Trump, die vor ihrer Eheschließung zum Judentum konvertierte und den Namen Yael Kushner annahm.cite-ref-zeit-de-8-1[8]cite-ref-nytimes-com-10-0[10]cite-ref-algemeiner-11-0[11] Das religiöse Paar lebt in der Park Avenue an der Upper East Side in New York City, besucht die modern-orthodoxe Synagoge Kehilath Jeshurun und hĂ€lt die jĂŒdischen Speisegesetze sowie den Schabbat ein.cite-ref-nytimes-com-10-1[10] Sie haben drei Kinder: Arabella (* 2011), Joseph (* 2013) und Theodore (* 2016).cite-ref-nymag-com-7-1[7]cite-ref-12[12]cite-ref-13[13] Eigenen Angaben zufolge belĂ€uft sich das Vermögen der Eheleute Kushner auf etwa 740 Millionen US-Dollar.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15]

Jared Kushner ist Vorsitzender der familieneigenen Charles and Seryl Kushner Foundation, die bisher ĂŒber 100 Millionen US-Dollar an zumeist jĂŒdische Institutionen, Organisationen, UniversitĂ€ten und KrankenhĂ€user stiftete.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17]cite-ref-18[18] Kushners Großmutter war MitbegrĂŒnderin des United States Holocaust Memorial Museum.cite-ref-19[19]

Jared Kushner und seine Familie pflegen eine langjĂ€hrige persönliche Freundschaft mit dem israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu, der wĂ€hrend eines USA-Besuchs im Hause der Kushners in Jareds Schlafzimmer ĂŒbernachtete.cite-ref-20[20] Kushner kennt Netanjahu bereits seit Kindestagen.cite-ref-21[21]

Ausbildung

Kushner absolvierte die private und in der Tradition des modernen orthodoxen Judentums gefĂŒhrte Frisch School in Paramus, New Jersey. Nach Recherchen des Wirtschaftsjournalisten und Pulitzer-PreistrĂ€gers Daniel Golden wurde Kushner von Vertretern seiner Highschool als mĂ€ĂŸiger SchĂŒler beschrieben. Dennoch wurde Kushner an der fĂŒr ihr rigoroses Aufnahmeverfahren bekannten Harvard University angenommen. Zuvor hatte Kushners Vater der Elite-UniversitĂ€t 2,5 Millionen US-Dollar gespendet. Kushner schloss sein Soziologie-Studium 2003 mit einem Bachelor of Arts (B.A.) ab.cite-ref-zeit-de-8-2[8]cite-ref-22[22] Zudem absolvierte er 2007 an der New York University Law School ein kombiniertes Jura- und Betriebswirtschaftsstudium mit einem Juris Doctor und Master (MBA). Vorher hatte sein Vater der New York University 3 Millionen US-Dollar gespendet.cite-ref-23[23]cite-ref-24[24]

Nach seinen AbschlĂŒssen an der NYU absolvierte Kushner Praktika bei dem New Yorker Staatsanwalt Robert M. Morgenthau sowie bei der New Yorker Rechtsanwaltskanzlei Paul, Weiss, Rifkind, Wharton & Garrison LLP.cite-ref-nymag-com-7-2[7]

Unternehmerkarriere

Ab 2004 wirkte Kushner fĂŒr das familieneigene Immobilienimperium und war seitdem fĂŒr jĂ€hrliche MilliardenumsĂ€tze der Kushner Companies mitverantwortlich. Nachdem sein Vater Charles Kushner 2005 wegen illegaler Wahlkampffinanzierung, Steuerhinterziehung und unerlaubter Zeugenbeeinflussung zu einer mehrjĂ€hrigen Haftstrafe verurteilt worden war, ĂŒbernahm Jared Kushner die UnternehmensfĂŒhrung.cite-ref-zeit-de-8-3[8]

Im Januar 2007 wickelte der zu dieser Zeit 26-jĂ€hrige Jared Kushner den teuersten Kauf eines einzelnen Immobilienobjekts in der Geschichte der USA ab, bei dem er Tishman Speyer Properties das 41-stöckige BĂŒrohaus 666 Fifth Avenue in New York City fĂŒr 1,8 Milliarden US-Dollar abkaufte.cite-ref-25[25] Der Kaufpreis wurde fast vollstĂ€ndig durch einen Kredit von UBS und Barclays finanziert.cite-ref-26[26] Jared und sein Vater Charles Kushner haben ihre BĂŒros im 15. Stockwerk des 666 Fifth Avenue-GebĂ€udes.cite-ref-27[27] Seit 2011 ist der Immobilien-Treuhandfonds Vornado Realty Trust Teilhaber der Immobilie. Mit Beginn seiner TĂ€tigkeit als vereidigter Chefberater von US-PrĂ€sident Donald Trump im Januar 2017 hat Jared Kushner seine Anteile an dem GebĂ€ude an eine familieneigene Stiftung ĂŒbertragen, in der er geschĂ€ftlich nicht involviert ist.cite-ref-28[28]

Jared Kushner und die Kushner Companies werden wegen ihrer geschĂ€ftlichen Verbindungen zu dem israelischen MilliardĂ€r Raz Steinmetz kritisiert. Steinmetz ist ein Neffe des umstrittenen Diamanten- und ImmobilienhĂ€ndlers Beny Steinmetz und hat Kushner mehrfach mit Darlehen in einer Gesamthöhe von 550 Millionen US-Dollar fĂŒr den Kauf New Yorker Immobilien in Bestlage unterstĂŒtzt. Kritiker weisen wegen der geschĂ€ftlichen Verbindungen der Kushners und Steinmetz’ auf mögliche politische Interessenkonflikte hin.cite-ref-29[29]cite-ref-30[30]cite-ref-31[31] Auch 2017 nahm Kushners Immobilienfirma neue Millionenkredite auf.cite-ref-32[32]

Im Mai 2015 kaufte Jared Kushner fĂŒr 295 Millionen US-Dollar von der Africa Israel Investments Ltd. das New Yorker Times Square Building in Manhattan.cite-ref-33[33] Laut Wall Street Journal tĂ€tigte Kushner ImmobiliengeschĂ€fte im Umfang von insgesamt 14 Milliarden Dollar.cite-ref-handelsblatt-com-34-0[34] Im Dezember 2016 besaßen die Kushner Companies unter ihrem seit 2008 agierenden Vorstandsvorsitzenden Jared Kushner insgesamt 1,2 Millionen Quadratmeter an vermietbarer BĂŒroflĂ€che sowie 20.000 Appartements in sechs US-Bundesstaaten.cite-ref-35[35]

Neben zahlreichen Immobilien besitzt Kushner auch die auf digitale Inhalte spezialisierte Medienunternehmung Observer Media Group. Ab 2006 kaufte er mehrere Print- und Onlinepublikationen und kumulierte sie zunĂ€chst unter dem Unternehmen Observer Media Group, darunter das an der New Yorker Upperclass ausgerichtete Traditionsblatt The New York Observer. Die Publikationen der zunĂ€chst gekauften Printmagazine Scooter, Scene und Yue wurden nach und nach eingestellt. Stattdessen wurden die Onlinepublikationen BetaBeat, Gallerist und Politicker akquiriert bzw. aufgebaut. In den Jahren 2015/2016 fand ein grundlegender Relaunch der Observer Media-Publikationen statt. Die defizitĂ€re Printausgabe des New York Observer erschien letztmals am 9. November 2016, einen Tag nach der US-PrĂ€sidentschaftswahl. Seither sind The New York Observer, BetaBeat, Gallerist und Politicker zu einem Onlineauftritt zusammengefasst und erscheinen in ausschließlich digitaler Form unter der Adresse Observer.com.cite-ref-36[36]

Kushner hĂ€lt (Stand Anfang 2017) eine indirekte Beteiligung an der Risikokapitalgesellschaft Thrive Capital seines Bruders Joshua. Das auf Internet- und Softwareunternehmen spezialisierte Unternehmen partizipiert (Stand Anfang 2017) an mehr als 100 Investments, darunter Beteiligungen an den Apps Instagram, Slack und der Online-Bezahlplattform Stripe. Kushner und sein Bruder investieren ĂŒber Thrive Capital gemeinsam mit den MilliardĂ€ren George Soros, Yuri Milner und Jack Ma sowie der Investmentbank Goldman Sachs in die digitale Technologie- und Immobilieninvestmentplattform Cadre.com.cite-ref-37[37]

Politischer Berater von Donald Trump

Wahlkampfmanager

Kushner war der fĂŒhrende Wahlkampfmanager im Wahlkampfteam von Donald Trumps PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2015/16: Er wĂ€hlte die Veranstaltungsorte aus und bestimmte maßgeblich den Reiseplan Trumps mit.cite-ref-handelsblatt-com-34-1[34] Außerdem entwickelte und leitete er im Stillen die Fundraising- und Social-Media-Kampagnen. FĂŒr seine als Project Alamo bezeichnete digitale Online-Kampagne nutzte er seine Beziehungen zu ĂŒber 100 Internetspezialisten und Datenanalysten aus dem Silicon Valley. Das digitale Nervenzentrum von Trumps Wahlkampagne verlegte er vom Silicon Valley nach San Antonio im US-Bundesstaat Texas. Mit nur 100.000 US-Dollar Wahlkampfkosten pro Woche sprach das Project Alamo-Team die ĂŒber die verschiedenen Social-Media-KanĂ€le gesammelten 12 bis 14 Millionen E-Mail-Adressen potenzieller WĂ€hler gezielt an.cite-ref-38[38] Der vormalige Google-CEO Eric Schmidt sagte kurz nach der US-PrĂ€sidentschaftswahl, Kushner sei in seinen Augen die grĂ¶ĂŸte Überraschung im Wahlkampf gewesen.cite-ref-sp1-39-0[39]

Chefberater des US-PrÀsidenten

Nach der PrĂ€sidentschaftswahl schrieben zahlreiche Medien ĂŒber Kushner: Kushner sei diskret, loyal und clever; er sei wichtigster Berater, graue Eminenz und Strippenzieher von US-PrĂ€sident Trump.cite-ref-sp1-39-1[39] Kushner agiere „informell und im Hintergrund. Kaum sichtbar, mit maximalem Einfluss“.cite-ref-handelsblatt-com-34-2[34] Kushner sei seit Juni 2016 „das Machtzentrum in Trumps politischem Team“.cite-ref-40[40] Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger nannte Kushner „Trumps wichtigsten Vertrauten“.cite-ref-sp1-39-2[39]

Am 20. Januar 2017 wurde Kushner zusammen mit Trumps Redenschreiber Stephen Miller zum offiziellen Senior Advisor to the President of the United States (Chefberater) berufen.cite-ref-41[41] Kushner ließ ĂŒber seine AnwĂ€ltin Jamie Gorelick mitteilen, er werde aus seiner Firma ausscheiden, „substanzielle Vermögenswerte“ abstoßen und sich aus Regierungsangelegenheiten heraushalten, die seine finanziellen Interessen berĂŒhrten.cite-ref-42[42]

Am 27. Februar 2018 entschied Trumps Stabschef John Kelly, Kushner und anderen Mitarbeitern des Weißen Hauses den Zugang zu Informationen der Geheimhaltungsstufe streng geheim zu entziehen.cite-ref-43[43]

White House Office of American Innovation

Ende MĂ€rz 2017 wurde bekannt, dass Jared Kushner die Leitung einer direkt dem US-PrĂ€sidenten Trump unterstellten neuen Abteilung des Weißen Hauses ĂŒbernimmt („Weißes-Haus-BĂŒro fĂŒr amerikanische Innovation“).cite-ref-44[44] Ziel sei es, Ideen aus dem Unternehmensbereich auf die Regierungsarbeit zu ĂŒbertragen.cite-ref-45[45] ZunĂ€chst werde diese Abteilung die Aufgabe haben, die BundesbĂŒrokratie zu reorganisieren, die Versorgung der US-Kriegsveteranen zu reformieren, den Drogenmissbrauch zu bekĂ€mpfen und bisherige Regierungsaufgaben zu privatisieren. Kushner erlĂ€uterte, die Regierung solle wie ein großes amerikanisches Unternehmen funktionieren. Die neue Abteilung wird als Spezialeinheit aus ehemaligen Managern und Tech-GrĂ¶ĂŸen aus dem Silicon Valley wie Gary Cohn und Marc Benioff beschrieben.cite-ref-46[46]cite-ref-47[47]

Zu dem von PrĂ€sident Donald Trump auf Kushner ĂŒbertragenen Aufgabenportfolio gehörte die Opioid-Epidemie in den Vereinigten Staaten von Amerika zu beenden, die Infrastruktur zu ĂŒberprĂŒfen, die Bundesverwaltung zu reformieren und den Nahostkonflikt zu lösen.cite-ref-spon-1213264-48-0[48]

Sonderbeauftragter fĂŒr den Nahen Osten

Kushner wurde 2017 als Sonderbeauftragter eingesetzt, um einen Frieden im Nahen Osten auszuhandeln. Trump Ă€ußerte bei einem Treffen mit Israels MinisterprĂ€sident Netanjahu, dieser Friede solle besser werden „als ihr euch das je vorstellen könnt“.cite-ref-49[49]

Beauftragter wÀhrend der Coronavirus-Pandemie

WĂ€hrend der COVID-19-Pandemie war er im Weißen Haus neben Gesundheitsminister Alex Azar, der Katastrophenschutzbehörde FEMA und VizeprĂ€sident Mike Pence zustĂ€ndig fĂŒr die Versorgung und Vermittlung von SchutzausrĂŒstung.cite-ref-50[50]

Politische Positionen

Kushner lehnt, ebenso wie seine Ehefrau, Abtreibung ab.cite-ref-51[51]

Im Jahr 2018 setzte sich Kushner fĂŒr eine ĂŒberparteiliche US-Strafrechtsreform ein, die neben anderen Maßnahmen darauf abzielte, StraftĂ€ter nach ihrer Haftentlassung bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu unterstĂŒtzen.cite-ref-52[52]

Ermittlungen wegen Russland-Kontakten

Im Mai 2017 wurde bekannt, dass Kushner wĂ€hrend und nach dem Wahlkampf 2016 mehr Kontakte mit russischen Stellen hatte als zuvor vom Weißen Haus eingerĂ€umt, nĂ€mlich mindestens zwei Telefonate mit dem russischen Botschafter in den USA Sergei Kisljak und eine weitere Begegnung mit ihm. Seit Jahresanfang 2017 sind diese Kontakte Teil der Ermittlungen des FBI wegen des Verdachts der Kollusion von Trumps Wahlkampfteam mit russischen Behörden, die mittels Hacks und Medienbeeinflussung in den US-PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2016 eingegriffen haben. Eine Sprecherin Kushners verwies darauf, dass er tausende Telefonate in dem halben Jahr gefĂŒhrt habe und sich nicht an diese zwei Telefonate erinnere.cite-ref-53[53] Laut Washington Post berichtete Kisljak im Dezember 2016 nach Moskau, dass Kushner ihm im vertraulichen GesprĂ€ch im Trump Tower wĂ€hrend der Vorbereitung der MachtĂŒbergabe vorgeschlagen habe, fĂŒr Trumps Team in der russischen Botschaft einen – auch von US-Behörden abgeschirmten – geheimen Direktkanal fĂŒr Kommunikation mit der russischen Regierung einzurichten. Kisljak habe sich von diesem Vorschlag befremdet gezeigt.cite-ref-54[54] Da Kushner im Dezember 2016 auch GesprĂ€che im Trump Tower mit dem (geheimdienstlich ausgebildeten) Leiter der staatlichen russischen Wneschekonombank fĂŒhrte, wĂ€hrend er mögliche Investoren fĂŒr das Großprojekt 666 Fifth Avenue zu gewinnen versuchte, steht der Verdacht der Ausnutzung politischer Macht fĂŒr geschĂ€ftliche Zwecke im Raum. Die Bank ist (Stand Mai 2017) von Sanktionen gegen Russland nach der Krimannexion betroffen und war 2015 in einen New Yorker Spionagefall verwickelt.cite-ref-55[55] Die ErklĂ€rungen des Weißen Hauses und der Bank zum Inhalt des Treffens divergierten: Die Bank sagte, das Treffen habe mit Kushner in seiner Rolle als Chef des Unternehmens seiner Familie stattgefunden; das Weiße Haus sagte, das Treffen sei diplomatisch gewesen und habe nichts mit den GeschĂ€ften von Kushner zu tun gehabt.cite-ref-56[56] Ende Mai schrieben demokratische Abgeordnete des US-Kongresses an Deutsche-Bank-Chef John Cryan und verwiesen darin auf Berichte, wonach die Trump-Unternehmen der Deutschen Bank insgesamt 340 Millionen Dollar (rund 304 Millionen Euro) schulden. Der Kongress wisse bislang nicht, ob diese Darlehen fĂŒr Trump und seine Familie durch BĂŒrgschaften der russischen Regierung abgesichert worden seien „oder in irgendeiner Weise mit Russland in Verbindung standen“. Sie schrieben auch an Finanzminister Steven Mnuchin, um herauszufinden, ob russische Regierungsmitglieder, Oligarchen oder kriminelle Bandenchefs einen „Finanzhebel“ gegen Trump in der Hand hĂ€tten, um ihn und seine Regierung unter Druck zu setzen.cite-ref-57[57] Ende Juni 2017 berichtete die Washington Post, dass ein Kredit der Deutschen Bank in Höhe von 285 Millionen US-Dollar an Kushners Immobilienfirma kurz vor der Wahl ebenfalls untersucht wird; gegen die Deutsche Bank wurde zu dem Zeitpunkt wegen Kreditbetrugs und wegen GeldwĂ€sche ermittelt.cite-ref-58[58]cite-ref-59[59] Kushner bezahlte 296 Millionen US-Dollar und nahm bei einem anderen Unternehmen zudem einen Kredit ĂŒber 85 Millionen USD auf; die Kreditaufnahme war also 74 Millionen USD höher als der Kaufpreis.cite-ref-60[60]

Im Juli 2017 wurde ein weiteres Treffen mit russischen Vertretern am 9. Juni 2016 im Trump Tower bekannt, an dem Kushner mit dem damaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort und Trumps Ă€ltestem Sohn Donald Trump Jr. teilgenommen hatte. Die zuvor ausgetauschten E-Mails zeigen, dass Trumps Sohn das Treffen mit einer russischen AnwĂ€ltin deshalb organisiert hatte, weil diese ihm belastendes Material ĂŒber die Gegenkandidatin Hillary Clinton in Aussicht gestellt hatte. Damit ist erstmals ein Russland-Kontakt des engsten Wahlkampfteams um Trump in kollusiver Absicht nachgewiesen. Am 24. Juli 2017 veröffentlichte Kushner ein Statementcite-ref-61[61]cite-ref-62[62]cite-ref-63[63] und sprach nicht-öffentlich und nicht unter Eid mit dem Geheimdienstausschuss des US-Senats.cite-ref-64[64]cite-ref-65[65]

Kontakte mit Saudi-Arabien

Im Oktober 2017 reiste Kushner unangekĂŒndigt nach Riad.cite-ref-66[66] Im Juni hatte Mohammed bin Salman seinen Cousin von der Thronfolge verdrĂ€ngt. Berichten zufolge nutzte Kushner seinen Zugang zum tĂ€glichen Lagebericht der Geheimdienste fĂŒr den PrĂ€sidenten, der auch Namen saudischer Oppositioneller enthielt. Kushner bestritt den Vorwurf, diese verraten zu haben. Am 17. Februar 2018 wurde ihm der Zugang zu Geheimsachen entzogen.cite-ref-67[67] In der Woche nach dem Treffen mit Kushner begann Mohammed bin Salman eine Verhaftungswelle.

Nach seiner Zeit im Weißen Haus erhielt Kushners Private-Equity-Firma eine Investition von zwei Milliarden US-Dollar durch den saudischen Staatsfonds.cite-ref-68[68]

Interessenkonflikte

Die Kushner Company (KC) muss Anfang 2019 Kredite in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar refinanzieren, die sie hatte aufnehmen mĂŒssen, weil die gekaufte Immobilie 666 Fifth Avenue sich nicht wie erhofft vermarkten ließ und teilweise leer steht.cite-ref-sinkt-69-0[69] Auf der Suche nach Investoren war KC laut Bloomberg auch in Saudi-Arabien, Katar, China, SĂŒdkorea, Frankreich und Israel aktiv.cite-ref-70[70] KC hĂ€lt 50,5 % an der 666 Fifth Avenue, Vornado Realty Trust hĂ€lt die ĂŒbrigen 49,5 %. Vornado kĂŒndigte im Februar 2018 an, seinen Anteil demnĂ€chst verkaufen zu wollen.cite-ref-71[71] Im April 2017 bat KC Katar vergeblich um Finanzierung. Anfang Juni begannen Saudi-Arabien, die VAE, Ägypten und Bahrain eine Blockade gegen Katar. Entgegen der bisherigen amerikanischen NeutralitĂ€tsposition unterstĂŒtzte Trump öffentlich die saudisch gefĂŒhrte Blockade, wĂ€hrend sein Außenminister Tillerson diese ablehnte.cite-ref-72[72] In Medien und im öffentlichen Diskurs wurde und wird gefragt, ob Kushner sich beeinflussbar oder erpressbar gemacht hat und ob er die beiden SphĂ€ren stets sauber getrennt hat.cite-ref-sinkt-69-1[69] Laut Washington Post haben in mindestens vier LĂ€ndern (China, Mexiko, Israel und Vereinigte Arabische Emirate) Regierungsvertreter ĂŒber Möglichkeiten diskutiert, Kushner „zu manipulieren“.cite-ref-73[73]

Im Juni 2018 wurde bekannt, dass das Ehepaar Kushner 2017 durch 80 Transaktionen EinkĂŒnfte in Höhe von etwa 147 Millionen US-Dollar hatte. Ethikexperten halten Interessenkonflikte fĂŒr möglich.cite-ref-74[74]

Im Juli 2019 bezeichnete Donald Trump den in Baltimore gelegenen Wahlkreis des Abgeordneten Elijah Cummings als „a disgusting, rat and rodent infested mess“ (Übersetzung etwa: „ein ekelhaftes, ratten- und nagetierverseuchtes Chaos“). Er lenkte damit die Aufmerksamkeit auch auf die ZustĂ€nde in den Wohnanlagen Kushners,cite-ref-75[75] in denen wegen Schimmel, Nagerbefalls und anderen MĂ€ngeln seit 2017 Bußgelder in Höhe von 13.200 $ verhĂ€ngt wurden. Von 899 Wohneinheiten, die Kushner gehören oder gehörten, bestanden 200 die jĂ€hrlichen Inspektionen nicht.cite-ref-76[76] Die Tierschutzorganisation PETA reagierte mit einem Billboard, auf dem sie einen auf einem Geldhaufen sitzenden Mann (Kushner) einer Maus mit einem StĂŒck KĂ€se gegenĂŒberstellte.cite-ref-77[77]

Werke

‱ Breaking History: A White House Memoir. Harpercollins, New York 2022, ISBN 978-0-06-328648-1.

Weblinks

Commons

: Jared Kushner

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Deutsche Presse Agentur: Jared Kushner – Die stille SchlĂŒsselfigur. Handelsblatt, 19. November 2016
‱ Heike Buchter: Der EinflĂŒsterer. Die Zeit, 22. November 2016
‱ Roland Lindner: America’s First Schwiegersohn. Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz.net), 27. November 2016
‱ Steven Bertoni: Exclusive Interview: How Jared Kushner Won Trump The White House. Forbes Magazine (forbes.com), 22. November 2016
‱ Andrea Bernstein: Der dunkle Prinz, in: Focus Nr. 31, 25. Juli 2020, S. 24–29.

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Steven Bertoni: Exclusive Interview: How Jared Kushner Won Trump The White House. In: Forbes, 20. Dezember 2016 (englisch).
cite-note-22. ↑ Jeremy W. Peters: Life in the Fishbowl for Jared Kushner. In: The New York Times. 24. Juni 2011 (nytimes.com [abgerufen am 3. Januar 2015]).
cite-note-33. ↑ Evelyn M. Rusli: Thrive Capital Raises $150 Million Fund, Bolstering Profile. New York Times, 6. September 2012
cite-note-44. ↑ Karlie Kloss Is Married! Supermodel Weds Joshua Kushner in Custom Dior Gown. Abgerufen am 29. November 2022 (englisch).
cite-note-55. ↑ Joe Coscarelli: Jared Kushner Names Brother-in-Law New York Observer CEO, New York Magazine, 22. Januar 2013
cite-note-66. ↑ Christoph von Marschall: Trumps engster Berater? Der Schwiegersohn. Der Tagesspiegel, 12. November 2016
cite-note-nymag-com-77. ↑ Gabriel Sherman: The Legacy. New York Magazine, 12. Juli 2009
cite-note-zeit-de-88. ↑ Heike Buchter: Der EinflĂŒster. Die Zeit, 22. November 2016
cite-note-99. ↑ Josefin Dolsten: Jared Kushner’s grandmother on being a refugee: The doors of the world were closed to us. Jewish Telegraphic Agency, 30. Januar 2017
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